[1261] Der lautlose Pfad [Jaromir, Velidar, offen]

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Jaromir der Henker
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Re: [1261] Der lautlose Pfad [Jaromir, Velidar, offen]

Beitrag von Jaromir der Henker »

Jaromir hörte zu.

Als Velidar sprach veränderte sich etwas in seiner Haltung.
Die Spannung wich nicht völlig, doch sie wurde stiller. Weniger sprungbereit. Mehr wachsam.

Bei dem Namen blieb sein Blick ruhig.

Veles.

Er kannte ihn nicht. Nicht wirklich.
Vielleicht hatte er den Namen einst in einem Wirtshaus gehört, geflüstert zwischen Geschichten von alten Zeiten.
Aber Wissen war das nicht.

Er schwieg einen Moment, bevor er antwortete.

„Ich verstehe wenig von Göttern“, sagte er schließlich.

„Ich habe nie studiert. Kann nicht einmal lesen.“
Ein kurzer, schiefer Atemzug – fast ein trockenes Lachen.
„Ich kenne Psalmen, weil man sie mir eingebläut hat. Und Drohungen, weil sie laut gesprochen wurden.“

Sein Blick hob sich wieder zu Velidar.

„Was hat mein Gott für mich getan?“

Er überlegte. Wirklich überlegte.

„Er hat mir beigebracht, dass Ordnung besser ist als Chaos.“
Ein Zucken in seiner Kiefermuskulatur.
„Dass Schuld gesühnt werden muss.“

Ein Blick in den Wald.

„Und dass man für das, was man tut, gerade stehen muss.“

Er zuckte leicht mit den Schultern.

„Vielleicht ist das alles nur das, was Menschen daraus gemacht haben.
Vielleicht haben sie ihn benutzt. So wie man jedes Banner benutzt.

Ich bin kein Gelehrter, Velidar.
Ich kann nicht sagen, welcher Gott der gerechte ist.“

Ein leiser Atem.

„Aber ich weiß, dass Fanatiker – ob mit Kreuz oder ohne – immer gleich enden.“

Seine Stimme blieb ruhig.

„Ihr habt unter den Mongolen gelitten. Unter Rittern gelitten.“
Ein kaum sichtbares Nicken.
„Das verstehe ich.“

Er sah wieder auf den Hirsch.

„Wenn euer Veles bittet und nicht zwingt, dann unterscheidet er sich zumindest in dem.“

Ein kurzer Blick zurück.

„Aber ich diene nichts, was ich nicht kenne.“

Kein Trotz. Nur Standhaftigkeit.

„Ich bin Christ. Nicht weil ich alles glaube, was ein Pfaffe sagt.
Sondern weil es das Einzige ist, was mir blieb, als alles andere brannte.“

Er machte keine feindselige Bewegung.

„Wenn euer Herr euch Halt gibt, dann ist das gut.
Doch ich werde meinen nicht im Zorn verwerfen.“

Die Stimme wurde ruhiger.

„Wir sind beide Gezeichnete. Beide Vertriebene.“

Ein kaum merkliches Nicken.

„Vielleicht ist das genug Gemeinsamkeit für eine Nacht.“
Velidar Kamienny
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Registriert: Di Jan 13, 2026 8:26 pm

Re: [1261] Der lautlose Pfad [Jaromir, Velidar, offen]

Beitrag von Velidar Kamienny »

"Es gibt keine Texte über einen Gott des Volkes, er Bedarf keiner Schrift, er bedarf keiner Drohungen, nur Andacht und Respekt, der Dankbarkeit für seine Taten," der Unvermummte tritt einen weiten Schritt zurück, langsam zieht er die Kapuze wieder in sein Gesicht: "Denkt bitte über meine Worte nach und stellt euch der Frage, wem ihr euer Gehör schenken wollt, den alten Göttern, die unsere Vorfahren durch die Äonen geführt haben oder dem Leichengott der Invasoren, der die Menschen unabhängig ihrer Taten in Klassen einordnet und euch in die niedere Klasse gesteckt hat, obwohl ihr euch für seine Ordnung aufgeopfert hast, während die Schlächter unter dem Folterinstrument gepriesen und beschenkt werden."
Langsam wendet er sich zum Gehen, hebt die Hand zum Abschied und entschwindet wieder in die Dunkelheit.
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