[1261] Der lautlose Pfad [Jaromir, Velidar, offen]

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Jaromir der Henker
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[1261] Der lautlose Pfad [Jaromir, Velidar, offen]

Beitrag von Jaromir der Henker »

Die Nacht lag schwer zwischen den Bäumen, feucht und kühl, als hätte der Wald selbst einen kurzen Moment den Atem angehalten. Jaromir bewegte sich lautlos zwischen Farn und Wurzelwerk, ein dunkler Umriss der immer wieder im Schatten der Bäume zu verschwinden schien. Über ihm glitt eine graue Eule von Ast zu Ast.

Weiter vorn knackte ein Zweig.

Jaromir blieb stehen. Es wurde nicht langsamer, sondern erstarrte vollständig regungslos mitten in der Bewegung. Sein Blick glitt durch das Unterholz, tastete die Schatten ab und sah eine Bewegung am Rande einer kleinen Lichtung. Er wartete und schließlich trat der junge Hirsch zwischen zwei Stämmen hervor. Noch schmal, kaum ein ausgewachsenes Tier, die Muskeln unter dem Fell gespannt, die Ohren zuckend.

Einen Moment lang geschah nichts.

Dann hob Jaromir langsam den Kopf. Sein Blick hielt den des Tieres fest. Der Hirsch schnaubte leise, scharrte, wollte fliehen und blieb doch. In dieser lautlosen Zwiesprache lag kein Befehl, sondern ein unausweichliches Verstehen: Jagd, Notwendigkeit, Ende.

Jaromir machte einen Schritt zurück.

Dann noch einen.

Er ließ dem Tier Raum. Zeit. Der Hirsch sprang an, riss durchs Unterholz, brach Zweige, gewann Abstand. Genug, um es maßvoll zu nennen. Genug, um die Ordnung zu wahren.

Dann setzte Jaromir nach.

Er rannte nicht wie ein Mensch. Seine Schritte waren lang, kraftvoll, mühelos. Er wich Stämmen aus, sprang über Gräben, folgte dem Geruch, der Wärme, dem pochenden Leben vor ihm. Der Abstand schrumpfte. Ein falscher Tritt des Hirsches, ein Moment der Erschöpfung – und Jaromir war da.

Er riss das Tier zu Boden, seine Finger wie Eisen um Hals und Läufe des Tieres. Der Hirsch bäumte sich auf, trat, dann brach der Widerstand. Jaromir beugte sich herab und trank. Das Blut war warm, erdig, voll von Angst und Leben.

Als das Tier reglos wurde, ließ er ab.

Geübt, fast nüchtern, öffnete er den Leib, ohne Eile. Die Gedärme legte er beiseite, zwischen Moos und Laub, ein stilles Angebot an den Wald und seine Bewohner. Nichts wurde verschwendet. Der Körper war leicht, leer, kaum noch warm, als Jaromir ihn sich über die Schultern hob.

Die Eule war verschwunden.

Mit dem blutleeren Wild auf dem Rücken wandte sich Jaromir wieder dem Dunkel des Waldes zu – und in diesem Moment nahm er am Rand seines Sichtfeldes eine Bewegung wahr.
Velidar Kamienny
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Registriert: Di Jan 13, 2026 8:26 pm

Re: [1261] Der lautlose Pfad [Jaromir, Velidar, offen]

Beitrag von Velidar Kamienny »

Eine hagere Gestalt in weiter Robe, die Kapuze tief ins Gesicht gezogen schält sich aus den Schatten. Der durch die Blätter tretende Vollmond, lässt helle Schatten, über die ausgewaschenen Blautöne seiner Robe tanzen, während er sich vorsichtig nähert. Sein Blick liegt auf der Leiche des Hirschs, frei von Wertung oder Emotion, er geht langsam in einiger Entfernung in die Hocke und beobachtet den verzerrten Jäger vor sich.
Ein Windhauch streicht durch die Blätter und lässt die lichten Schatten einen Tanz vollführen. Er räuspert sich sanft und erhebt vorsichtig die Stimme, bedacht darauf ruhig und seinen Gegenüber nicht zu erschrecken: "Seid gegrüßt mein Bruder im Blute, würdet ihr erlauben, dass wir eure Beute weihen? Mein Herr wird euch sicherlich mit reicher Beute belohnen?"
Vorsichtig nähert er sich dem verzerrten Jäger, mustert sein Gesicht sorgsam, in der Hoffnung einen Hauch von Emotion aus den vergilbten Zügen zu erhaschen. Er mustert die zerklüftete Gestalt, ihre Haltung, den Ausdruck in ihren Augen, die intuitiven Zuckungen in ihren Händen.
Die Finger seiner linken Hand legen sich vorsichtig um ein Symbol, dass er an einem dünnen Lederband um seinen Hals trägt und seine rechte Hand zieht seine Kapuze tiefer in sein Gesicht, als würde er sein Gesicht verbergen wollen.
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Jaromir der Henker
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Re: [1261] Der lautlose Pfad [Jaromir, Velidar, offen]

Beitrag von Jaromir der Henker »

Jaromir ließ den Hirsch von den Schultern gleiten.
Der Leib schlug dumpf auf den feuchten Waldboden, ein matter Laut, der vom Wald verschluckt wurde.

Sein Körper blieb halb gedreht, das Gewicht auf dem vorderen Fuß.
Die Finger seiner rechten Hand legten sich um den Schaft des großen Henkelbeils an seinem Gürtel.
Seine Schultern spannten sich.

Der Blick hob sich langsam zu der hagere Gestalt.
Ein Auge dunkelbraun, fast schwarz, das andere milchig weiss - er schien keine Mühe zu haben die Dunkelheit zu durchdringen.

Ein Windstoß fuhr durch das Unterholz, ließ den Geruch von Blut neu aufflammen.
Jaromir verzog keine Miene.

„Weihen?“, wiederholte er mit einem leichten Fragen in der Stimme.

Er richtete sich ein wenig auf, gerade genug, um zu zeigen, dass er nicht zum Sprung ansetzen würde.

„Was meint ihr damit?“

Ein kurzer Blick glitt zu der Hand am Amulett, dann zurück in das dunkle Oval der Kapuze.

„Und wer seid ihr? Lebt ihr in Krakau?“
Velidar Kamienny
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Registriert: Di Jan 13, 2026 8:26 pm

Re: [1261] Der lautlose Pfad [Jaromir, Velidar, offen]

Beitrag von Velidar Kamienny »

Die formlose Gestalt in der Robe blickt auf den gefallen Hirsch hinab, ein Hauch von Bedauern färbte seine Stimme: "Ich bin nur ein demütiger Diener meines Herren, ein Reisender, durch den er seine Aufopferung und Güte verbreitet." Sanft senkte er sein Haupt, ohne den Blick vom Leib des gefallenen Hirsch abzuwenden: "Würdet ihr euch wohler fühlen, wenn ich euch mein Antlitz und meinen Namen offenbare? Auch wenn diese keine Bewandtnis haben?"

Leicht dreht er sich zur Seite und wendet dem entstellten Jäger den Rücken zu, bevor er seine Stimme erneut erhebt, leiser melodischer, fast geisterhaft im Gleichklang mit dem Hauch des Windes verlassen die Silben sein Lippen: "Es ist ein uralter Ritus zu Ehren meines Herren, geboren in den Reihen der Jäger. Er soll der Beute den Weg in sein Reich weisen, wo sie Erlösung findet. Im Austausch für diese Hilfe belohnt mein Herr den Jäger mit reicher Beute, solange er den Ritus führt. Mein Herr ist gnädig, er wird euch nur belohnen solange ihr ihm Treu seid und eure Last mit euch Schultern. Wäret ihr interessiert?"
Seine Hände umklammerten fester das obskure Symbol, während er auf die Antwort seines Gegenübers wartete.
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