[1261] Der lautlose Pfad [Jaromir, Velidar, offen]
Verfasst: Di Jan 27, 2026 8:07 am
Die Nacht lag schwer zwischen den Bäumen, feucht und kühl, als hätte der Wald selbst einen kurzen Moment den Atem angehalten. Jaromir bewegte sich lautlos zwischen Farn und Wurzelwerk, ein dunkler Umriss der immer wieder im Schatten der Bäume zu verschwinden schien. Über ihm glitt eine graue Eule von Ast zu Ast.
Weiter vorn knackte ein Zweig.
Jaromir blieb stehen. Es wurde nicht langsamer, sondern erstarrte vollständig regungslos mitten in der Bewegung. Sein Blick glitt durch das Unterholz, tastete die Schatten ab und sah eine Bewegung am Rande einer kleinen Lichtung. Er wartete und schließlich trat der junge Hirsch zwischen zwei Stämmen hervor. Noch schmal, kaum ein ausgewachsenes Tier, die Muskeln unter dem Fell gespannt, die Ohren zuckend.
Einen Moment lang geschah nichts.
Dann hob Jaromir langsam den Kopf. Sein Blick hielt den des Tieres fest. Der Hirsch schnaubte leise, scharrte, wollte fliehen und blieb doch. In dieser lautlosen Zwiesprache lag kein Befehl, sondern ein unausweichliches Verstehen: Jagd, Notwendigkeit, Ende.
Jaromir machte einen Schritt zurück.
Dann noch einen.
Er ließ dem Tier Raum. Zeit. Der Hirsch sprang an, riss durchs Unterholz, brach Zweige, gewann Abstand. Genug, um es maßvoll zu nennen. Genug, um die Ordnung zu wahren.
Dann setzte Jaromir nach.
Er rannte nicht wie ein Mensch. Seine Schritte waren lang, kraftvoll, mühelos. Er wich Stämmen aus, sprang über Gräben, folgte dem Geruch, der Wärme, dem pochenden Leben vor ihm. Der Abstand schrumpfte. Ein falscher Tritt des Hirsches, ein Moment der Erschöpfung – und Jaromir war da.
Er riss das Tier zu Boden, seine Finger wie Eisen um Hals und Läufe des Tieres. Der Hirsch bäumte sich auf, trat, dann brach der Widerstand. Jaromir beugte sich herab und trank. Das Blut war warm, erdig, voll von Angst und Leben.
Als das Tier reglos wurde, ließ er ab.
Geübt, fast nüchtern, öffnete er den Leib, ohne Eile. Die Gedärme legte er beiseite, zwischen Moos und Laub, ein stilles Angebot an den Wald und seine Bewohner. Nichts wurde verschwendet. Der Körper war leicht, leer, kaum noch warm, als Jaromir ihn sich über die Schultern hob.
Die Eule war verschwunden.
Mit dem blutleeren Wild auf dem Rücken wandte sich Jaromir wieder dem Dunkel des Waldes zu – und in diesem Moment nahm er am Rand seines Sichtfeldes eine Bewegung wahr.
Weiter vorn knackte ein Zweig.
Jaromir blieb stehen. Es wurde nicht langsamer, sondern erstarrte vollständig regungslos mitten in der Bewegung. Sein Blick glitt durch das Unterholz, tastete die Schatten ab und sah eine Bewegung am Rande einer kleinen Lichtung. Er wartete und schließlich trat der junge Hirsch zwischen zwei Stämmen hervor. Noch schmal, kaum ein ausgewachsenes Tier, die Muskeln unter dem Fell gespannt, die Ohren zuckend.
Einen Moment lang geschah nichts.
Dann hob Jaromir langsam den Kopf. Sein Blick hielt den des Tieres fest. Der Hirsch schnaubte leise, scharrte, wollte fliehen und blieb doch. In dieser lautlosen Zwiesprache lag kein Befehl, sondern ein unausweichliches Verstehen: Jagd, Notwendigkeit, Ende.
Jaromir machte einen Schritt zurück.
Dann noch einen.
Er ließ dem Tier Raum. Zeit. Der Hirsch sprang an, riss durchs Unterholz, brach Zweige, gewann Abstand. Genug, um es maßvoll zu nennen. Genug, um die Ordnung zu wahren.
Dann setzte Jaromir nach.
Er rannte nicht wie ein Mensch. Seine Schritte waren lang, kraftvoll, mühelos. Er wich Stämmen aus, sprang über Gräben, folgte dem Geruch, der Wärme, dem pochenden Leben vor ihm. Der Abstand schrumpfte. Ein falscher Tritt des Hirsches, ein Moment der Erschöpfung – und Jaromir war da.
Er riss das Tier zu Boden, seine Finger wie Eisen um Hals und Läufe des Tieres. Der Hirsch bäumte sich auf, trat, dann brach der Widerstand. Jaromir beugte sich herab und trank. Das Blut war warm, erdig, voll von Angst und Leben.
Als das Tier reglos wurde, ließ er ab.
Geübt, fast nüchtern, öffnete er den Leib, ohne Eile. Die Gedärme legte er beiseite, zwischen Moos und Laub, ein stilles Angebot an den Wald und seine Bewohner. Nichts wurde verschwendet. Der Körper war leicht, leer, kaum noch warm, als Jaromir ihn sich über die Schultern hob.
Die Eule war verschwunden.
Mit dem blutleeren Wild auf dem Rücken wandte sich Jaromir wieder dem Dunkel des Waldes zu – und in diesem Moment nahm er am Rand seines Sichtfeldes eine Bewegung wahr.